Die Mächtigkeit der Potenzmenge
Mengen spielen in der Mathematik eine sehr grundlegende Rolle. Das Konzept der Potenzmenge ist daher auch von großer Bedeutung. Sei also
eine Menge. Dann ist die Potenzmenge von
wie folgt definiert:

Sie enthält also alle möglichen Teilmengen von
, insbesondere auch die leere Menge und
selbst.
Ein kleines Beispiel: Ist
, so enthält
die folgende Elemente:

Wir können hier nachzählen, dass gilt
. Tatsächlich gilt diese Beziehung für alle endlichen Mengen. Das lässt sich beispielsweise durch vollständige Induktion leicht beweisen.
Viel spannender ist jedoch die Frage wie es mit unendlichen Mengen steht? Nehmen wir beispielsweise
. Wir wissen, dass
abzählbar unendlich ist. Welche Mächtigkeit hat nun
? Ist diese Menge immernoch abzählbar?
Der folgende Satz beantwortet diese Fragen. Der Beweis dazu (zumindest für den unendlichen Teil, den ich hier vorstellen möchte) besitzt eine gewisse Eleganz und wäre meiner Meinung nach fast ein Kandidat für einen BUCH Beweis.
Satz.
Sei
eine beliebige Menge, dann gilt
. Man beachte, dass es echt größer heißt.
Beweis.
Dass
gilt, sollte ziemlich klar sein. Jedes Element aus
ist als Einermenge natürlich in
enthalten. Damit enthält
mindestens so viele Elemente wie
. Konzentrieren wir uns also auf den Beweis, dass die Potenzmenge echt mächtiger ist.
Für endliche Mengen ist das uninteressant. Eine einfache Induktion zeigt die Aussage.
Sei
also eine Menge, für die gilt
. Nehmen wir an, dass die Potenzmenge gleichmächtig ist, will heißen
. Das heißt also, dass es eine bijektive Abbildung
geben muss, die jedem Element aus
eineindeutig ein Element aus
zuordnet. Über das genaue Aussehen der Abbildung wollen wir garkeine Aussagen machen, wir wissen nur dass eine existiert.
Jetzt kommt der Trick: Wir definieren uns geschickt eine neue Menge
, und zwar wie folgt:

Machen wir uns zunächst klar, dass
wohldefiniert ist.
soll alle Elemente
enthalten, für die gilt, dass
nicht in der Menge
ist. Da
in die Potenzmenge von
abbildet, lässt sich das tatsächlich überprüfen. Des Weiteren ist
selbst wieder ein Element der Potenzmenge
, da
nach Definition eine Teilmenge von
ist.
So, da wir nach Voraussetzung wissen dass
bijektiv ist, muss es nun ein Element
geben, so dass
gilt. Jetzt kommt die Frage: Ist
? Es gibt dafür nur die zwei folgenden Möglichkeiten:
- Nehmen wir an
. Nach Definition von
enthält
aber gerade die Elemente
für die
gilt. Wähle
, damit ist
. Das ist ein Widerspruch! - Nehmen wir also an
. Das heißt aber nach Definition von
dass
. Das ist offensichtlich ebenfalls ein Widerspruch!
Zusammengefasst konnten wir den Widerspruch herleiten, dass
genau dann in
enthalten ist, wenn es nicht in
enthalten ist. Somit ist unsere Prämisse falsch, und es existiert keine solche bijektive Abbildung
. Also folgt
.
Schlussfolgerungen
Das Resultat ist nun vielleicht nicht so ganz das was der Intuition entspricht. Für die natürlichen Zahlen beispielsweise bedeutet das, dass ihre Potenzmenge echt mächtiger sein muss. Glaubt man an die Kontinuumshypothese, so bedeutet das, dass sie (mindestens) überabzählbar unendlich ist. Somit ist sie mindestens so mächtig wie
, was ich doch recht faszinierend finde.